Mobilitätstisch soll helfen Chaos zu vermeiden- Interview

Wirtschaftsring fordert sofortige Einsetzung eines Mobilitätstisches.

 Wenn nichts mehr geht auf der Autobahn, dann hat das natürlich auch unmittelbare Folgen für die Wirtschaft. Ein sogenannter Mobilitätstisch, der alle Akteure zusammenbringt, die mit Mobilität zu tun haben, soll verhindern, dass es künftig zu einem solchen Chaos kommt wie am vergangenen Wochenende. „Alle Entscheidungsträger und Einsatzkräfte müssen ständig wissen, wie die aktuelle Situation ist, ebenso müssen die Verkehrsteilnehmer ständig informiert werden, sonst machen sich Angst und Verzweiflung breit“, betonen Hannes Mussak und Andreas Mair vom Südtiroler Wirtschaftsring – Economia Alto Adige.

 Was sagt der SWR-EA: Wer ist schuld am Chaos auf der A22 am vergangenen Wochenende?

Hannes Mussak: Das Chaos war die Folge einer Kettenreaktion mit vielen Ursachen und es wäre in meinen Augen absolut falsch irgendjemanden schnell an den Pranger zu stellen und alleine dafür verantwortlich zu machen. Die Schuld lastet auf viele Schultern, angefangen bei dem extremen Schneefall bis hin zu einer verbesserungswürdigen Kommunikation.

Wie hoch ist der Schaden für die Wirtschaft? 

Hannes Mussak: Die Höhe des Schadens lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer beziffern. Eines ist aber klar: Verzögert sich die Fahrt, verzögert sich die Lieferung und der Preis steigt.

 

Welche Konsequenzen muss es geben?

Hannes Mussak: Jetzt gilt es alle Akteure, die bei einer solchen extremen Situation Entscheidungen treffen, an einen Tisch zu holen und anhand der genauen Analyse der Daten die Ursachen zu erforschen. Nur so können wir eine derartige Blockade künftig verhindern.

Ist es nicht äußerst peinlich, wenn ein Land wie Südtirol nicht imstande ist, eine solche Situation besser zu meistern?

 

Hannes Mussak: Natürlich hätte man die Situation besser meistern können, Verbesserungspotential gibt es immer. Was man auf der anderen Seite aber auch hervorheben muss, ist der Einsatz der verschiedenen Einsatzkräfte.

Der SWR-EA hat Anfang des Jahres angekündigt einen Mobilitätstisch einrichten zu wollen. Ist dieses Vorhaben noch aktuell?

 

Andreas Mair: Das Vorhaben ist mehr als aktuell und solche Situationen, auch wenn es sich um Extremsituationen handelt, bestätigen, dass hier unbedingt Handlungsbedarf ist. Wir spielen seit zwei Monaten mit diesem Gedanken, haben bereits erste Gespräche geführt und wollen nun Nägel mit Köpfen machen.

Wie könnte ein Mobiltätstisch helfen, solchen Fällen vorzubeugen?

Andreas Mair: Der Mobilitätstisch kann bei drei Dingen helfen: Erstens kann der Tisch die proaktive Planungsarbeit unterstützen. Alle Akteure haben wichtige Informationen und wenn wir imstande sind die Informationen zu bündeln, können Abläufe viel koordinierter erfolgen. Vorbeugemaßnahmen können gezielter und in einem kürzeren Zeitraum getroffen werden, damit es nicht erst auf der Autobahn zum großen Chaos kommt.

Von zentraler Bedeutung ist auch eine Optimierung des Informationsflusses. Alle Entscheidungsträger und Einsatzkräfte müssen ständig wissen wie die aktuelle Situation ist, ebenso müssen die Verkehrsteilnehmer ständig informiert werden, sonst macht sich Angst und Verzweiflung breit. D.h. es muss nicht nur die Information übers Autoradio reibungslos klappen, sondern auch übers Handy, mittels einer App zum Beispiel. Schlüsselstellen wie Infonummern müssen in Notsituationen personell stärker besetzt sein.

 

Der Tisch kann dann auch eine Plattform dafür sein, dass die Akteure gemeinsam strategische Maßnahmen entwickeln, damit dies in Zukunft nicht mehr so passiert. Aus Fehlern kann man auch lernen.

Gibt es bereits Gespräche mit der A22-Spitze? 

Hannes Mussak: Noch nicht, sie sind aber angedacht. Wir wollen, wie gesagt, alle Entscheidungsträger an einen Tisch bringen, nicht nur die A22.

Was sind die weiteren Schritte?

Andreas Mair: Nach unserem Gespräch mit Landeshauptmann Arno Kompatscher wollen wir nun auch mit dem Landesrat für Mobilität Daniel Alfreider und mit dem Landesrat für Zivilschutz Arnold Schuler sprechen. Dann gilt es gleich Kontakt mit der Verkehrsmeldezentrale aufzunehmen, mit dieser die Vorgehensweise abzustimmen sowie die Steuerungsgruppe zu bilden. Gemeinsam wollen wir dann alle anderen Akteure an einen Tisch holen.

 

 

 

Interview: Arnold Sorg, Dolomiten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Author: Giorgia Arman